|
Schleusenfreie oder schleusenreiche Reviere?
Annäherung an die Schleuse mit dem Hausboot
Schleusen mit großem Hub
Automatische Schleusen
Bergab schleusen (mit KURZVIDEO)
Bergauf schleusen (mit KURZVIDEO)
Schleusenfreie
oder schleusenreiche Reviere?
Je enger ein Tal, je steiler die Berge, je aufregender die Landschaft
desto mehr Schleusen erwarten den Hausbootfahrer. Die einen
mögen Schleusen, die anderen vermeiden schleusenreiche Regionen.
Geschmäcker sind eben verschieden; wir gehören zu jenen,
die es gerne schleusenreich haben. Für uns besteht der Wert
des Hausbootfahrens nicht aus der zurückgelegten Strecke, sondern
aus den Erlebnissen und Eindrücken, die wir sammeln. Und da
ist ein wesentliches Element die Begegnung mit dem Schleusenwärter
sowie die in unserem beruflichen Alltag leider viel zu seltene manuelle
Betätigung.
Schleusenfahren ist ein wichtiger und interessanter
Bereich im Verlauf Ihrer Reise mit Hausbooten (außer Sie haben
die Camargue mit ihrer einzigen Schleuse ganz oben bei Beaucaire
oder die Norfolk Broads, die ja ganz ohne Schleuse auskommen, gebucht
da entgeht Ihnen dieser Genuss). Teamwork ist das Geheimnis
eines jeden guten Schleusenmanövers. Ein Schleusenwärter
ist zwar nicht verpflichtet, Ihnen zu helfen, er tut es jedoch immer.
Er erwartet allerdings auch, dass Sie eine Seite der Schleuse bedienen,
während er sich um die andere kümmert. Und wenn er freundlich
ist, sollten Sie ihm auch ein kleines Trinkgeld geben. Mittlerweile
gibt es aber auch in Frankreich zahlreiche automatisierte Schleusen,
bei denen jede manuelle Arbeit wegfällt.
Ein Schleusenmanöver mit Hausbooten dauert
etwa 10 Minuten, die Vorbereitungen (Hineinfahren etc.) je nach
Situation 5 bis 10 Minuten. Jede Schleuse kann etwa 23 Hausboote
aufnehmen, größere Schleusenkammern (z. B. in Holland
und am Shannon) schaffen mehr. Die kleinen Schleusen des mittelenglischen
Kanalsystems nehmen meist nur ein Hausboot auf).
Wir empfehlen, während des gesamten Schleusenmanövers
den Motor laufen zu lassen; einerseits, weil es Vorschrift ist,
andererseits, weil man mit sachter Motorhilfe auch die Strömung
in der Schleusenkammer ein wenig auffangen kann. In einigen Regionen
wird das von den Schleusenwärtern untersagt, weil sie es gerne
ruhig haben und sich die Gegend nicht durch Auspuffgase verstinken
lassen wollen. Folgen Sie dann bitte deren Anweisungen.

Annäherung an die Schleuse mit dem Hausboot
Sind die Schleusentore bei Ihrer Ankunft geschlossen, halten Sie
rund 50 bis 100 Meter Abstand und machen Sie, falls Sie es für
notwendig halten, am Ufer fest. Wenn gerade ein Hausboot in die
Gegenrichtung geschleust wird, warten Sie ab, bis es passiert hat,
und fahren dann in die Schleuse ein. Ist kein Hausboot in der Schleuse,
kann es notwendig sein, dass jemand von Ihrer Besatzung zum Schleusenwärter
geht und ihn informiert, daß Sie passieren wollen. Bei einer
manuellen Schleuse hilft man gleich bei der Bedienung mit.
Ist eines der beiden Schleusentore geschlossen und das andere offen,
dann zeigt dies an, dass der Schleusenwärter Mittagspause macht.
Es hat dann keinen Sinn, ihn zu stören in der Regel
wird er darauf nur verärgert reagieren (was sich in einer deutlich
verlängerten Wartezeit für Sie auswirkt).

Schleusen mit großem Hub
Speziell in Frankreich kann Ihnen gelegentlich eine Schleuse mit
großem Hub (5 Meter oder mehr) unterkommen. Sie finden in
diesem Fall Schwimmpoller in der Wand eingelassen; daran machen
Sie Ihr Hausboot fest. Die Poller heben und senken sich mit dem
Wasserstand. Andere Schleusen wiederum haben Eisenstangen in der
Wand, an denen Ihre Leine hinauf- und hinuntergleiten kann. Und
schließlich gibt es Schleusen mit fixen Pollern in der Wand,
die in einem Abstand von rund einem Meter übereinander angeordnet
sind. Sie müssen dann je nach Wasserstand die Leinen umhängen.

Automatische Schleusen
Automatische Schleusen verfügen über unterschiedlichste
Systeme. Deren Erklärung ist (vor allem in schriftlicher Form)
wesentlich komplizierter als die Ausführung in der Praxis.
Für den Verbindungskanal vom Shannon zum Lough Erne beispielsweise
erhalten Sie eine Plastikkarte im Kreditkartenformat, mit der Sie
die Schleuse über ein ganz simples Bildstellpult"
selbst in Bewegung setzen können (die einzige Camargue-Schleuse
bei Beaucaire hat übrigens ein ganz ähnliches Pult). Wenn
Sie einen falschen Knopf (es gibt nur zwei!) drücken, passiert
gar nichts. Drücken Sie den richtigen, tut die Schleuse, was
sie soll.
Daneben gibt es Systeme, bei denen Hausboote mittels
Radar erfasst wird, oder wo Sie ein von einer Brücke hängendes
Seil ziehen oder verdrehen müssen. Eine Ampel neben der Schleuse
zeigt mit einem kleinen gelben Licht an, daß Sie erfaßt
wurden. Zeigt die Ampel Rot-Grün, wird die Schleuse für
Sie vorbereitet, bei Grün dürfen Sie in die Schleusenkammer
einfahren. Rot bedeutet, daß Sie noch warten müssen (weil
vielleicht ein Boot aus der Gegenrichtung Vorrang hat oder gerade
geschleust wird).
Welches System auch immer an Ihrer Strecke zum
Einsatz kommt (an der Oberen Saône in Frankreich sind es gleich
mehrere hintereinander): vor Ort erhalten Sie eine knappe Erklärung,
die Sie durch eigenes Ausprobieren problemlos in die Tat umsetzen
können (auch wenn sie genauso unverständlich oder abstrakt
klingen mag wie das, was wir Ihnen hier vorgesetzt haben). Also:
keine Angst, nicht zu viel über die verschiedenen Automatik-Systeme
lesen (wir wissen noch sehr gut, wie wir uns lediglich aufgrund
der so komplizierten Erklärung vor unserer ersten Automatik-Schleuse
regelrecht gefürchtet haben), und munter drauf los!

Bergab schleusen mit Hausbooten
Wenn die Schleuse für Ihr Hausboot bereit
ist, steuern Sie es mit Standgas (also ganz langsam) in die Schleusenkammer.
Nicht im Leerlauf hineintreiben lassen, da Sie sonst meist keine
Ruderwirkung haben. Wenn Ihr Steuerstand eher vorne ist: schauen
Sie nach hinten, um zu kontrollieren, ob sich das Heck auch dorthin
bewegt, wo Sie den Rest des Bootes haben wollen. Ein ausscherendes
Heck bei der Schleusen-Ein- oder Ausfahrt beschert meist einen kaputten
Fender oder zumindest einen kräftigen Stoß.
Der Kapitän" bleibt stets am Steuer (warum ist das
bei so vielen Hausbootfahrern eigentlich immer der Mann? Es ist
erwiesen, dass Frauen viel besser und gefühlvoller mit den
Booten umgehen! Der Tratsch mit dem Schleusenwärter oder mit
anderen Bootsfahrern ist das eigentlich Interessante an jeder Schleuse,
und das Klettern über nasse Leitern sowie das Kurbeln händischer
Schleusen das Anstrengende Kavaliere" vor!).
TIP: Wenn man
die Leinen vom Hausboot aus hält, spart man sich nach dem Absinken
des Wassers das Zurückklettern an Bord.
TIP: Werden die Leinen von zwei
Personen gehalten, sollten diese darauf achten, nicht gegeneinander"
zu arbeiten (ein häufiger Anfänger-Fehler: der eine zieht,
darauf zieht der andere noch stärker. Und weil sich dadurch
das Boot in diese Richtung bewegt, zieht der erste noch stärker
. . .).
TIP: Kommen Sie niemals dem oberen
Tor zu nahe (2 m Sicherheitsabstand). Beim Absenken könnten
Sie sonst das Hausboot an der Schwelle (Betonkante mit einer ähnlichen
Funktion wie eine Türschwelle) beschädigen.
|