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Aquitanien im Herbst 2004
2
Wochen vom 18. September bis 2. Oktober
Boot 1: Crown Blue Line "Crusader"
Basis 1: Le-Mas-d'Agenais
Boot 2: Connoisseur "Flying Bridge 1140"
Basis 2: Castelmoron
Aquitanien mit dem Hausboot - das ist
die wahre Erfüllung ! Ein Revier, das uns drei Wasserwege erschließt:
die Baïse, den unteren Lot und den Garonne-Seitenkanal. Und
so haben wir auch gleich begeistert gebucht, wobei uns der klein
gedruckte Hinweis in den Prospekten, dass die Garonne im Frühjahr
Hochwasser führen könnte, dazu bewogen hat, unsere Reise
in den Herbst zu verlegen. Man muss nämlich wissen, dass die
Verbindung zwischen Lot und Baïse über eine etwa 5 km
lange Strecke direkt im Fluss Garonne verläuft, da die Baumeister
des Canal du Midi leider vergessen haben, hier eine geeignete Kanalbrücke
zu errichten. Und so ist man von den Launen der Natur abhängig.
Umso entsetzter waren wir, als uns
Hausboot Böckl drei Tage vor der Abreise darüber informierte,
dass die Überfahrt über die Garonne wegen Niedrigwassers
nicht möglich sei. Da wir die gebuchten zwei Wochen nicht auf
dem Lot auf- und abschippern wollten, kam uns der Vermieter in so
ferne entgegen, dass er uns eine kostenlose Umbuchung anbot. Glücklicherweise
war in der Basis "Le Mas d'Agenais" von Crown Blue Line
ein geeignetes Boot für eine Woche frei, von wo aus wir die
Baïse erkunden konnten. Für die zweite Woche würden
wir dann mit dem Auto zur Basis "Castelmoron" von Connoisseur
weiterfahren und das ursprünglich geplante Boot für die
Erkundung des Lot übernehmen. Also weitgehend alles gerettet,
wenn man davon absieht, dass das Ein- und Ausräumen des Bootes
nicht gerade zu den lustigsten Dingen eines Hausbooturlaubs gehört.
Aber damit konnten wir leben
Nach kurzfristiger Umplanung unseres
Reiseablaufes setzten wir uns am Mittwoch, den 15. September 2004
in Wien ins Auto und machten uns auf die Reise. Die erste Tagesetappe
führte uns bis Feldkirch, wo wir im Hotel "Montfort"
nächtigten. Am nächsten Tag (Donnerstag) fuhren wir dann
durch die Schweiz nach Frankreich, in die Region Auvergne. Im nahe
von Clermont-Ferrand gelegenen Dörfchen Orcines bezogen wir
im Hotel "Le Relais des Puys" Quartier. Den Freitag nutzten
wir zum Besuch des Themenparks "Vulcania", der baulich
vom österreichischen Architekten Hans Hollein hervorragend
gestaltet wurde und in beeindruckender Weise eine Fülle von
Informationen zum Thema "Vulkanismus" bietet. Da die Auvergne
früher selbst ein Vulkangebiet war, fuhren wir am Nachmittag
auf den Puy-de-Dôme, einen imposanten Vulkankegel und Aussichtsberg
auf Clermont-Ferrand und die ganze Kette der "Puys" in
der Auvergne.
Dann aber
war das Vorprogramm zu Ende und wir fuhren am Samstag, zuerst über
die Autobahn bis Cahors und dann durch das Tal des Lots, zu unserer
ersten Bootsbasis in "Le Mas d'Agenais". Seit Neuestem
gibt es von den Bootsvermietern ein "Einkaufsservice":
im Internet kann man eine Liste mit ausgewählten Lebensmitteln
und Haushaltsartikeln herunterladen, ausfüllen und an die Basis
faxen. Die bestellten Artikel werden dann eingekauft und sollten
sich bei Übernahme schon an Bord befinden. Trotzdem machten
wir in der Stadt Tonneins halt und besuchten einen Supermarkt, um
uns noch mit Fleisch, Wurst, Käse und anderen Frischwaren einzudecken,
die auf der Liste nicht angeboten werden.
Nachfolgend
eine Zusammenfassung unseres Bordbuches:
Samstag,
18. September 2004
Es hat Hochsommertemperaturen von 28°, als wir gegen 14:30 Uhr
an der Basis in Mas d'Agenais eintreffen. Die Basis liegt auf einer
schmalen Landzunge zwischen dem Garonne-Seitenkanal und dem Fluss
Garonne, direkt neben der Schleuse 44. Im Büro werden wir von
einer netten Dame empfangen, die gerne ihre Deutsch-Kenntnisse auffrischen
möchte und daher keine Sprachprobleme aufkommen lässt.
Der administrative Kram ist bald erledigt und wir können unser
Boot beziehen, eine Crown Blue Line vom Typ "Crusader".
Diesen Bootstyp haben wir erst durch die kurzfristige Umbuchung
zugeteilt bekommen, ist uns nur vom Prospekt her bekannt und muss
daher gebührend bestaunt werden. Es ist uns zwar um eine Nummer
zu groß, weil wir eine Doppelkabine mit Nasszelle zu viel
haben, aber das können wir ganz gut als zusätzlichen Stauraum
nutzen, von dem es auf einem Hausboot ohnehin immer zu wenig gibt.
Die von uns vorbestellten Lebensmittel sind schon an Bord und die
wichtigen Dinge, wie Wein und Bier, bereits eingekühlt. Die
Franzosen wissen eben, worauf es ankommt im Leben !
Die halbstündige Instruktion
muss ich dann auf französisch und englisch über mich ergehen
lassen, allerdings mit der Schwierigkeit, dass der Instruktor seinerseits
gleichzeitig durch den Chefinstruktor in der Kunst der Instruktion
instruiert wird. So erleben wir eine Art "Doppelkonference",
bei der Manches auf der Strecke bleibt. Aber ich fahre ja nicht
das erste Mal mit einem Hausboot und die Unterschiede zu anderen
Bootstypen habe ich bald begriffen.
Um 16:30 Uhr legen wir ab und fahren
auf dem Garonne-Seitenkanal Richtung Osten. Der Kanal ist, wie wir
es bereits vom Canal du Midi her kennen, beidseitig mit Platanenalleen
bewachsen. Die Schleusen sind halbautomatisch, wobei die Anmeldung
durch Drehen einer herunter hängenden Stange erfolgt. Auch
dieses System kennen wir schon vom Oberlauf der Saône.
Um 17:40 Uhr finden wir in Villeton
einen netten Anlegeplatz, wo wir über Nacht bleiben wollen.
Gleich nebenan befinden sich eine Pizzeria und das Gemeindeamt,
viel mehr ist von dem Dörfchen nicht zu sehen. Wir nützen
den Sonnenschein noch zu einem Abendessen am Oberdeck, dann richten
wir uns in den Kajüten ein und fallen gegen 22:00 Uhr in die
Betten.
Tagesleistung
Strecke: Le Mas d'Agenais - Villeton
Fahrkilometer: 7
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 1 Stunde 10 Minuten
Sonntag,
19. September 2004
Heute ist es stark bewölkt bei 15° Morgentemperatur. Da
die Schleusen hier ohnehin erst um 09:00 Uhr den Dienst antreten,
trödeln wir noch ein wenig herum, füllen sicherheitshalber
den Wassertank auf und legen erst um 09:20 Uhr ab. Wir müssen
uns mit den An- und Ablegemanövern erst einmal an das neue
Boot gewöhnen. Elisabeth, die die Vorleine bedient, konnte
auf den bisherigen Reisen das Vordeck immer vom Salon aus betreten.
Bei diesem Boot ist das nicht möglich, sondern man muss außen
herum turnen, was sie nicht gerne macht, weil sie ein wenig unter
Geh-Unsicherheit leidet. Aber bevor sie ihren angestammten Aufgabenbereich
wechselt, überwindet sie sich, klettert nach vorne, unter der
Bugreling durch und findet dort wieder einen sicheren Platz für
die Bedienung der Bugleine. Und da steht sie nun, wie Kate Winslet
im Film "Titanic" - nur leider ohne Leonardo di Caprio.
Nach erfolgreicher Überwindung von 2 Schleusen landen wir gegen
11:40 Uhr am Anlegeplatz in Buzet-sur-Baïse, wo wir eine Mittagspause
einlegen wollen. Während Elisabeth, die auch für die Verpflegung
hauptsächlich zuständig ist, ihre Bratwürste in die
Pfanne haut, mache ich einen kurzen Radausflug zur Schleuse, die
uns vom Garonne-Seitenkanal zur Baïse hinunterführen soll.
Ich möchte nämlich wissen, ob dort eine Mittagspause gehalten
wird, oder nicht. Das ist aber (wie auf der ganzen Baïse) nicht
der Fall, und wir können uns nach dem Essen gleich wieder auf
die Fahrt machen. Bei der Abstiegschleuse handelt es sich um eine
Doppelschleuse, die von Schleusenwärtern bedient wird. Wir
erhalten während unserer Abschleusung eine Karte ausgefolgt,
die für die Selbstbedienung der weiteren Schleusen auf der
Baïse erforderlich ist.
Wir unterqueren den Garonne-Seitenkanal,
auf dem uns, wie bestellt, ein Boot begegnet. Auf der Baïse
selbst fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. Die
Ufer sind dicht bewachsen, weit und breit keine Möglichkeit
für eine Anlandung abseits der Zivilisation. Umgestürzte
Bäume, Untiefen, Engstellen erfordern hohe Aufmerksamkeit am
Steuer. Auch entgegen kommenden Booten kann man so einfach nicht
überall ausweichen, aber zum Glück ist wenig Betrieb.
Dafür kommt das Naturerlebnis nicht zu kurz, überall begegnen
uns Reiher, Eisvögel, Nutrias und Vieles mehr.
Auch die Schleusen sind ein Erlebnis:
sie haben zunächst einmal grundsätzlich keine Ampelsignale.
Beim aufwärts Schleusen entwickeln wir folgendes Verfahren:
bei der Annäherung an die Schleuse muss Franz an einem Mini-Steg
(etwa halbe Bootlänge) abgesetzt werden. Ist das Schleusentor
offen, kann man einfahren, andernfalls muss man das Boot gut festmachen,
da der Steg meist direkt unter dem Schleusentor liegt und es sonst
beim Ablassen des Wassers fest herum gebeutelt wird. Franz muss
indessen das Bedienpult der Schleuse suchen. Befindet sich ein anderes
Boot in der Schleuse oder wartet schon wer am Bedienpult, haben
wir Pause, ansonsten darf er seine Karte einführen, was das
Umfluten der Schleuse auslöst. Ist man einmal drin in der Schleuse,
ist eine weitere Kartenaktivität erforderlich um den Schleusenvorgang
auszulösen.
Gegen 16:30 Uhr kommen wir in Lavardac
an, wo wir einen schönen Liegeplatz finden. Wir machen eine
kleine Wanderung (ca. 3 km) nach Barbaste, wo es eine eindrucksvolle
befestigte Mühle aus dem 13. Jahrhundert zu sehen gibt. Im
angeschlossenen Laden mit Souveniers und Landesprodukten gibt es
allerlei Spezialitäten zu verkosten: wir erstehen eine Flasche
Armagnac (zu medizinischen Zwecken) und einen "Floc des Gascogne".
Das ist eine Komposition aus Traubenmost und Armagnac und schmeckt
ein bisschen wie Süßwein. Muß kalt serviert werden
und ist nicht nur für Damen ! Der Rückweg geht gleich
leichter von der Hand und führt uns durch den Ort Lavardac,
der uns aber nicht besonders beeindruckt.
Auffällig sind die vielen Auslands-Franzosen, die offensichtlich
die Substandard-Wohnungen bevölkern. Das ist uns in der ganzen
Region in den ärmeren Gebieten besonders aufgefallen. Abendessen
an Bord.
Tagesleistung
Strecke: Villeton - Lavardac
Fahrkilometer: 26
Schleusenkammern: 6
Reine Fahrzeit: 5 Stunden 22 Minuten
Montag,
20. September 2004
Der Tag begrüßt uns mit 11° und wolkenlosem Himmel.
Franz geht täglich seinem Morgensport nach und besorgt uns
frische Baguettes für das Frühstück. Die schöne
Bäckersfrau von Lavardac lenkt ihn aber dermaßen ab,
dass er auf die bestellten Kuchen vergisst und ohne Murren gerne
noch einmal hingeht.
Wir legen um 09:00 Uhr ab und fahren weiter die Baïse aufwärts.
Schon bei der nächsten Schleuse müssen wir feststellen,
dass deren Breitenmaß weiter abgenommen hat und rechts und
links nur etwa 20 cm Platz bleiben, dabei ist unser Boot nur 3,90
m breit. Jedenfalls braucht man beim Ein- und Ausfahren immer ein
bisschen Gleitmittel ! Ein anderes Problem sind die Poller in den
Schleusen. Sie befinden sich an den seltsamsten Stellen, nur nie
dort, wo man sie braucht. Und das Material variiert zwischen den
problemlosen Metallpollern und uralten Steinpollern, bei denen die
Leinen nicht ordentlich laufen. Jedenfalls schleusen wir gerade
in der Schleuse "Bapaume", das Wasser läuft von oben
ein, der übliche Wasserstrom trifft uns vom oberen Schleusentor.
Da dreht plötzlich die Schwallrichtung um und wir fahren blitzartig
auf das obere Schleusentor zu. Die Leinenmannschaft ist verwirrt
und kräftemäßig überfordert. Nur mit Mühe
und Motoreinsatz können wir das Boot wieder stabilisieren.
Ich vermute, dass sich die Schleusenschieber plötzlich stark
geöffnet haben und das Wasser, das wegen der schmalen Schleuse
seitlich nicht vorbei kann, unter dem Boot hindurch strömt,
am unteren Schleusentor reflektiert wird und so diesen Vorwärtsschwall
erzeugt. Jedenfalls schwöre ich mir, während der Schleusung
den Führerstand künftig nicht mehr zu verlassen.
Zu Mittag legen wir in Nérac
unterhalb der Schleuse an. Franz und ich gehen in den Supermarkt
und ergänzen unsere Lebensmittel, während die Damen das
Mittagessen bereiten. Anschließend geht's wieder weiter, wir
passieren die Schleuse und fahren weiter die Baïse aufwärts.
Dabei machen uns immer wieder undisziplinierte Hausbootfahrer Probleme,
die an den kleinen Anlegestegen vor den Schleusen auch noch längere
Pausen abhalten. Beim ersten, einem Australier, haben wir noch gelacht
und die angebotenen Schokolade angenommen, beim nächsten waren
wir dann schon ärgerlich.
Aber auch die Schleusen haben wir
noch nicht im Griff: in einer Schleuse sind die verfügbaren
Poller so angebracht, dass sie näher zusammen stehen, als das
Boot lang ist. Als dann wieder einmal der schon erwähnte Vorwärtsschwall
entsteht, nützt es nichts, dass Regina die Heckleine straff
zieht, im Gegenteil, das bewirkt nur einen weiteren Zug nach vorne.
Wieder können wir das Boot nur mit Mühe im Rückwärtsgang
stabilisieren und die rechte Heckklampe wackelt schon verdächtig.
Gegen 16:30 Uhr legen wir schließlich im Moncrabeau an, das
nur über einen sehr bescheidenen Anlegeplatz verfügt,
der sich im Laufe des Abends aber noch zur Gänze füllt.
Wir machen einen Rundgang durch die
"Welthauptstadt der Lügner", wie sich Moncrabeau
selbst gern nennt. Das Städtchen ist recht pittoresk und verfügt
über einen Lügenpfad, bei dem an mehreren Stellen Tafeln
mit Geschichten aufgestellt sind, deren Wahrheitsgehalt sorgsam
abzuwägen ist. Beispielsweise wird an einem Aussichtspunkt
geschildert, dass an klaren Tagen im Hintergrund die Pyrenäen
zu sehen seien, an besonders klaren Tagen könne man auch den
Leuchtturm von Gibraltar erkennen. Wenn nicht, möge man doch
wegen der Wetterverhältnisse bei der meteorologischen Anstalt
nachfragen. Am Rückweg finden wir einen herrenlosen Feigenbaum
mit reifen Früchten, von denen wir ein paar mitnehmen und mit
einem Floc de Gascogne als Aperitif in der letzten Abendsonne an
Deck genießen. Abendessen an Bord.
Bei der Abendbesprechung diskutieren
wir noch einmal die Probleme mit dem Kräfteparallelogramm bei
den Leinenmanövern und beschließen eine neue Strategie
in den bevorstehenden Schleusen: sollten die Poller ungünstig
stehen oder nicht aus Metall sein, wird Franz, der sich ja für
die Schleusenbedienung ohnehin an Land befindet, die jeweils strategisch
wichtigere Leinen von dort aus bedienen.
Tagesleistung
Strecke: Lavardac - Moncrabeau
Fahrkilometer: 22
Schleusenkammern: 11
Reine Fahrzeit: 6 Stunden 10 Minuten
Dienstag,
21. September 2004
Heute ist es bewölkt bei 13° Morgentemperatur. Franz besucht
im Rahmen des Morgensports noch einmal unseren Feigenbaum von gestern.
Heute allerdings mit einem Regenschirm bewaffnet, um auch die höheren
Äste zu erreichen. Der Bootshaken wäre noch effektiver
gewesen - aber wie sieht das denn aus
?
Wir füllen unseren Wassertank wieder nach und legen um 09:15
ab. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Grenze zwischen den
Regionen Aquitaine und Midi-Pyrénées. Damit wechselt
auch das Departement von "Lot-et-Garonne" auf "Gers"
und ob sie es glauben, oder nicht, man merkt den Wechsel auf der
Baïse. Wurde bisher als Markierungsboje alles hergenommen,
was schwimmt, oder Schifffahrtzeichen einfach aus der Straßenmeisterei
entliehen, hat plötzlich alles seine korrekte Ordnung. Die
Ursache scheint darin zu liegen, dass die Baïse als Wasserweg
nicht von der staatlichen Organisation VNF (Voies Navigables de
France) betreut und verwaltet wird, sondern von einer Regionalorganisation
- und die wechselt eben an der Grenze !
Unsere gestern beschlossene Schleusenstrategie
bewährt sich bestens, wir haben die Sache nun offensichtlich
im Griff. Um 11:30 Uhr passieren wir die Stadt Condom, die wir aber
erst auf dem Rückweg besuchen wollen. Die meisten Schleusenwärterhäuschen
sind privatisiert, in der Schleuse "Gauge" hat sich sogar
ein Restaurant angesiedelt: "Moulin du petit Gascogne".
Sieht sehr nett aus, aber heute leider geschlossen. Die Schleuse
von Graziac ist eine Doppelschleuse und wird von Schleusenwärtern
bedient. Je weiter wir die Baïse aufwärts kommen, umso
enger und unübersichtlicher werden die kanalisierten Ausfahrten
im Oberwasser der Schleusen. Na, das kann ja was werden bei der
Rückfahrt ! Aber zunächst heißt es den Blick vorwärts
zu richten, denn wir wollen heute noch die Abtei von Flaran besuchen,
die laut Karte über einen eigenen Anlegesteg für die Besucher
verfügt. Beim näher Kommen stellt sich heraus, dass der
Anleger höchstens 1 Boot aufnehmen kann und zu allem Überdruss
auch noch besetzt ist - aber nicht von jemandem, der auf Kulturtrip
in der Abtei ist, sondern von einem Hausboot-Camper, der am Steg
gerade seinen Holzkohlengriller anfacht. Und da es - wie fast auf
der ganzen Baïse - auch hier keine Möglichkeit gibt, abseits
des Anlegers fest zu machen, weil überall Büsche weit
ins Wasser herein ragen, müssen wir knurrend nach Valence-sur-Baïse
weiterfahren, was wir eigentlich gar nicht wollten. Aber auf eine
Schleuse mehr oder weniger kommt es auch nicht mehr an. Ankunft
um 13:50 Uhr. Der Hafen von Valence-sur-Baïse ist recht nett
ausgebaut und stellt derzeit das obere Ende der Befahrbarkeit auf
der Baïse dar.
Wir aber brechen zu einer kleinen
Fußwanderung zur Abbaye-de-Flaran auf, die uns nach einem
etwa 1,5 km langen Marsch am Straßenrand wieder zu unserem
Grill-Freund bringt, der in der Zwischenzeit die ersten Kotletts
schon serviert.
Die Abtei von Flaran ist ein Zisterzienserbauwerk aus dem 12. Jahrhundert.
Nachdem die Kirche vor wenigen Jahren den Flammen zum Opfer gefallen
ist (es war aber nicht der Griller !), hat der Staat das Bauwerk
übernommen, restauriert und ein Kulturzentrum eingerichtet,
in dem laufend verschiedene Ausstellungen stattfinden. Die Besichtigung
ist sehr interessant, nur die Kirche besteht leider nur mehr aus
den nackten Wänden.
Gegen 16:00 Uhr sind wir wieder zurück
in Valence-sur-Baïse, wo wir gleich wieder ablegen, denn wir
wollen heute noch bis Condom zurück fahren. Wie schon befürchtet,
machen bei der Talfahrt die engen Schleusenzufahrten Probleme. Von
der ohnehin schon engen Baïse zweigt plötzlich ein Stichkanal
ab, der nur wenig breiter ist, als das Boot selbst. Am Ende dieses
Kanals liegt dann direkt oberhalb des Schleusentores der Wartesteg.
Verläuft der Kanal gerade, kann man sehen, ob dort schon einer
wartet. Wenn ja, braucht man in den Kanal gar nicht einfahren, weil
ein entgegen kommendes Boot gar nicht passieren könnte. Bei
längeren Kanälen gibt es noch eine Ausweiche, die aber
meist bloß eine Nische mit Leitplanken in den unendlichen
Buschzeilen ist. Die Anfahrt auf die Schleuse "Graziac"
ist besonders bösartig: lange und gewunden, ohne Sicht zur
Schleuse und ohne Wartesteg. Wir tasten uns also vorsichtig heran,
setzen Franz ab, damit er mit dem Eclusier Kontakt aufnehmen kann.
Da merken wir plötzlich, dass gerade ein Boot aufwärts
geschleust wird. Damit es passieren kann, müssen wir ein paar
Bootlängen zu einer Ausweiche zurück. Nicht leicht in
dem engen Kanal ! Wir schaffen es schließlich, indem uns Franz
von Land aus mit der Heckleine ein wenig dirigiert. Beim vorbei
Fahren des anderen Bootes hören wir höhnisches Gelächter
und den netten Hinweis, dass die Schleuse schon geschlossen wird.
Das können wir uns aber nicht ganz vorstellen, weil nach offiziellen
Angaben die Schleusen bis 19:00 Uhr in Betrieb sein sollen. Na,
wir kommen noch dran, aber dann versperrt der Schleusenwärter
tatsächlich mit Kette und Vorhängeschloss das obere Schleusentor
und zieht sein Kurbeln ab. Zu seiner Ehrenrettung sei aber gesagt,
dass bei unserer Ausfahrt von unten noch ein Boot kommt und er seufzend
wieder alles aufsperrt
Um etwa 18:30 Uhr legen wir schließlich
in Condom an, wo es ausreichend Liegeplätze gibt. Anschließend
Stadtrundgang. Ganz in der Nähe der Kathedrale finden wir ein
einfaches, aber originell eingerichtetes Lokal ("La Cambuse",
Place Bossuet), in dem wir ausgezeichnet zu Abend essen und den
ereignisreichen Tag ausklingen lassen.
Tagesleistung
Strecke: Moncrabeau - Valance-sur-Baïse - Condom
Fahrkilometer: 32
Schleusenkammern: 11
Reine Fahrzeit: 7 Stunden 07 Minuten
Mittwoch,
22. September 2004
In der Nacht hat es ein wenig geregnet, aber der Morgen ist wieder
wolkenlos bei 11°. Wir legen gegen 09:00 Uhr ab und nehmen den
Kampf mit den Schleusen wieder auf. Bei der Schleuse "Beauregard"
fällt uns zwar auf, dass der obere Wartesteg kürzer ist,
als bei den anderen Schleusen, aber wir messen dem keine Bedeutung
zu und verheften das Heck nur halbherzig. Das rächt sich aber
in Kürze: als nämlich die Schleuse Wasser einlässt,
tritt der "Badewanneneffekt" ein und wir treiben quer,
treten mit dem anderen Ufer in Kontakt und da der Wasserstand in
dem engen Kanal schlagartig sinkt, sitzen wir auch noch ein wenig
am Grund auf. Aber das dauert nur solange, bis die Schleuse voll
gelaufen ist, dann normalisiert sich der Zustand wieder. Gegen 12:50
Uhr erreichen wir eine der wenigen Landeplätze außerhalb
der Städte. Er liegt bei Flusskilometer 6 an der Kreuzung mit
der D112. Wir machen fest und nehmen einen kleinen Imbiss auf den
einladenden Picknick-Tischen. Dann geht es wieder weiter auf Nérac
zu, unserem heutigen Tagesziel. Bei der langen Anfahrt zur Schleuse
"Pacheron" sehen wir am Wartesteg bereits ein Hausboot
liegen und fahren in den Ausweichplatz. Mühsam fädeln
wir die Leinen um die Leitplanken und machen das Boot fest. Franz
balanciert irgendwie an Land, um für uns als nächstes
Boot die Schleusung vorzubereiten. Nach kurzer Zeit kehrt er wieder
zurück und berichtet, dass die Insassen des wartenden Bootes
keine Anstalten zum Schleusen machen, sondern genüsslich Kaffee
trinken. Wütend machen wir wieder los und schimpfen im Vorbeifahren
in allen Sprachen, die uns einfallen.
Gegen 16:30 Uhr nähern wir uns
Nérac. Den letzten Kilometer verläuft der Fluss entlang
des städtischen Parks. Hundebesitzer, Jogger, Pensionisten
und lärmende Schulklassen begleiten uns. Der Hafen von Nérac
ist voll mit Booten angefüllt, am linken Ufer keine Lücke,
am rechten Ufer auch nur mehr am Gartenzaun eines Restaurants. Da
mir das alles nicht besonders gefällt, mache ich im Hafenbecken
eine Wendung und versuche etwas oberhalb, bei der Brücke, einen
Liegeplatz zu finden. Doch dort ist das Anlegen verboten. Nun ist
guter Rat teuer und wir überlegen, die Schleuse noch zu passieren
und unterhalb der Schleuse zu nächtigen. Also fahre ich ein
Stück in die Parklandschaft hinein und setzte zu einer neuerlichen
Wende an. Aber die gelingt irgendwie nicht so richtig: es ist nicht
die "Schokoladenseite" des Schiffes und hinten stört
mich eine tiefhängende Weide. Jedenfalls zieht es mich magnetisch
immer mehr ans Parkufer und schließlich kann ich wegen des
Unterholzes weder rückwärts fahren noch seitlich abstoßen
und es bleibt nur mehr die Flucht nach vorn. Doch dort befindet
sich ein riesiger dürrer Dornbusch. Nach meinem Warnruf geht
die Mannschaft in volle Deckung und dann breche ich mit halber Kraft
voraus durch den Busch, der dabei in tausend Stücke zerfällt
und unser Oberdeck ins Chaos versinken lässt. Die eben noch
johlende Schulklasse, neben der sich das alles abspielt, ist mucksmäuschenstill
geworden bei unserer Darbietung. Sollte sich unter den geneigten
Lesern ein Lehrer befinden, der Probleme hat, sein Klasse ruhig
zu stellen, können wir dieses Verfahren empfehlen. Es hat sich
in der Praxis bereits bewährt.
Nach dem ersten Schrecken über
die angerichteten Verwüstungen trifft uns ein weiterer schwerer
Schlag: die österreichische Fahne, besonderer Stolz unseres
Bootes, wurde los gerissen und hängt in den noch verbliebenen
Teilen des Dornbusches. Und nachdem ohnehin schon alles egal ist,
mache ich noch eine Wendung und wir bergen unsere Fahne wieder.
Dann haben wir aber genug vom Hafen Nérac, und wir fahren
durch die enge Brückendurchfahrt in die Schleuse ein und machen
dann unterhalb der Schleuse fest, wo wir schon bei der Hinfahrt
zum Einkaufen halt gemacht haben. Nach einer intensiven Schiffsreinigung
machen wir eine ausgiebige Besichtigung der reizenden Stadt und
landen schließlich in der Pizzeria "La Petite Marie",
Rue Sèderie 22, zu einem sehr guten Abendessen.
Tagesleistung
Strecke: Condom - Nérac
Fahrkilometer: 26
Schleusenkammern: 11
Reine Fahrzeit: 7 Stunden 31 Minuten
Donnerstag,
23. September 2004
Der Tag beginnt bewölkt mit einer Temperatur von 14°. Elisabeth
und ich gehen zum Einkaufen in den Ort, während die Zweitbesetzung
der Küche das Frühstück zubereitet. Gegen 09:00 Uhr
wollen wir ablegen, aber es ist immer das Gleiche: kaum macht ein
Boot Anstalten zum Losfahren, versuchen andere Boote mit Harakiri-Manövern
schneller zu sein, um nur ja bei der nächsten Schleuse nicht
warten zu müssen. Kopfschüttelnd lassen wir die Eiligen
ziehen, warten noch ein paar Minuten, dann fahren wir auf die nächste
Schleuse zu. Eine Schweizer Bootsbesatzung hat zu uns aufgeschlossen
und wir einigen uns auf eine gemeinsame Schleusung. Damit ist die
Suche nach passenden Pollern wieder ausgebrochen, aber Regina findet
für ihre Heckleine anstatt dessen einen passenden Befestigungs-Ring.
Da sie nicht die ganze Leine durchfädeln will, arbeitet sie
mit einer "Schlaufen-Technik". Das funktioniert auch ausgezeichnet,
bis das Seil zu der Stelle kommt, wo ein Spleißfehler eine
kleine Verdickung hervorruft. Nach einer kurzzeitigen Aufregung,
weil das Boot "hängt", gibt die ohnehin schon wackelige
Heckklampe nach und unser Problem ist fürs erste behoben. Ab
jetzt müssen wir eben mit der backbordseitigen Klampe arbeiten,
oder die glücklicherweise vorhandene Mittelklampe einsetzen.
Der Schadenregulierung sehe ich gelassen entgegen, weil wir ja eine
Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Aber diese Schleuse (es
ist schon wieder "Bapaume") ist unser Waterloo auf der
Baïse. Wir passieren Lavardac und vermerken mit Wohlgefallen,
dass ab hier die Schleusen wieder breiter werden. Um etwa 11:45
Uhr erreichen wir Vianne, das über einen wirklich großzügig
ausgebauten Anlegeplatz verfügt. Wir machen fest und starten
zu einer Besichtigung des Städtchens. Es ist wirklich sehenswert:
eine vollständig erhaltene "Bastide" mit Stadtmauer,
Türmen und den typischen schnurgeraden Straßen der mittelalterlichen
Militärarchitektur. Es sind kaum Touristen unterwegs, aber
an der Fülle der Restaurants kann man erkennen, dass hier in
der Hauptsaison Einiges los sein muss. Bei solchen Angeboten überkommt
uns der Hunger und wir setzen uns unter die Arkaden des Restaurants
"La Table d'Aliénor", Rue Martyrs de la Résistance.
Es gibt ein 4-gängiges Menü um 10 Euro, das uns sehr gut
schmeckt, nur das Fleisch hätte etwas mehr durchgebraten sein
können.
Zurück an Bord nehmen wir den
letzten Abschnitt auf der Baïse in Angriff, und wir kommen
nach Überwindung der Doppelschleuse wieder auf den Garonne-Seitenkanal.
Kurz nach 17:00 Uhr legen wir am Landeplatz von Buzet-sur-Baïse
an, wo wir über Nacht bleiben wollen. Zuvor möchten wir
aber noch den allenthalben angepriesenen Weinkeller von Buzet besuchen
und die Weine degustieren. Wir folgen also den Hinweisschildern
zuerst über die Brücke in den Ort. Dort steht ein weiteres,
das uns den Wein in circa 800 Metern Entfernung schmackhaft macht.
Aber das ist konservativ geschätzt, denn unser Franz hat immer
sein technisches Equipment dabei und misst mit einem Schrittzähler
für die Strecke einen guten Kilometer. Kein schöner Weg
- es geht immer am Straßenrand dahin. Aber schließlich
erscheint am Horizont eine große Fabrikationshalle mit angeschlossenem
Verkaufs- und Degustationsbereich. Wir treten erwartungsvoll ein,
da wird uns zu verstehen gegeben, dass in 10 Minuten (18:00 Uhr)
gesperrt wird. Schnell degustieren wir noch 2 Rotwein- und eine
Weißweinsorte, aber bei der Hektik kann man sich nicht konzentrieren.
Wir kaufen ein paar Flaschen aus dem "Glückstopf"
und ziehen wieder heimwärts. Wir machen noch eine kleine Schleife
durch den Ortskern, aber da gibt's es nichts Besonderes. Das Schloss,
das man auf einer Anhöhe sieht ist, liegt jenseits der Autobahn
ist für uns zu weit entfernt. Abendessen an Bord.
Tagesleistung
Strecke: Nérac - Buzet-sur-Baïse
Fahrkilometer: 22
Schleusenkammern: 7
Reine Fahrzeit: 4 Stunden 57 Minuten
Freitag,
24. September 2004
Der Freitag erwartet uns mit unfreundlichem Wetter: es nieselt bei
17°. Trotzdem hat Franz den 20 minütigen Weg zum Bäcker
nicht gescheut und so haben wir wenigstens einen Lichtblick: frische
Baguettes zum Frühstück. Das Wetter lädt nicht zum
Bootfahren ein und so streichen wir unser Vorhaben, noch ein Stück
auf dem Garonne-Seitenkanal nach Osten zu fahren. Wir haben somit
keine lange Etappe heute, drum warten wir noch ein wenig zu, ob
der Regen vielleicht aufhört. Aber aus dem Nieseln wird ein
ordentlicher Regen und so kramen wir unsere Schlechtwetterkleidung
hervor und legen gegen 10:00 Uhr ab. Das Fahren vom unteren Steuerstand
ist bei der Crusader gar nicht so schlecht, denn das Boot verfügt
über ein mächtiges Gebläse, das mir die Scheiben
immer klar hält. Außerdem ist die Ausstiegsluke vom Salon
auf das Oberdeck nur mit einer Plexiglasscheibe verschlossen, sodass
man als Schiffsführer auch nach hinten Sicht hat. Das ist ein
großer Vorteil gegenüber meinen bisherigen Bootsmodellen,
wo man von unten nur mit dem Blindenstock fahren konnte. Strecke
und Schleusen machen keinerlei Probleme, das Wetter bessert sich
zusehends und als wir gegen 11:50 Uhr in Villeton eintreffen, scheint
sogar schon wieder die Sonne. Wir machen fest und hängen unsere
Regenbekleidung zum Trocknen auf. Elisabeth zaubert ein Mittagessen
aus ihrer Bordküche und die Welt sieht schon wieder rosig aus.
Der Nachmittag ist dem Relaxen in der Sonne gewidmet, und nach einer
Kaffeejause nehmen wir die letzten paar Kilometer in Angriff. Um
17:10 Uhr erreichen wir wieder die Basis in Le Mas d'Agenais, wo
wir mit Mühe rückwärts einparken und mit der fehlenden
Heckklampe nicht ordnungsgemäß festmachen können.
Aber der Stationschef bringt uns schon dahin, dass wir in seine
gerade ausgerichtete Flotte hineinpassen. Elisabeth und Franz machen
einen Stadtrundgang, ich gehe mein Auto vom versperrten Parkplatz
holen, damit wir heute schon etwas einräumen können. Der
Abend ist dem Zusammenpacken unserer Schätze gewidmet. Reste
essen an Bord.
Tagesleistung
Strecke: Buzet-sur-Baïse - Le Mas d'Agenais
Fahrkilometer: 19
Schleusenkammern: 3
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 11 Minuten
Die
Rückgabe am nächsten Morgen geht problemlos vor sich.
Über die ausgerissene Klampe wird nicht einmal gesprochen.
Zeit
für ein Kurzresümee über die 1. Woche:
Fahrstrecke: 154 km mit 48 Schleusenkammern,
reine Fahrzeit 36,5 Stunden
Die Baïse ist eine eindrucksvolle
Naturlandschaft, die aber nur vom Boot aus bewundert und kaum betreten
werden kann.
Die Infrastruktur, wie Anlegestellen
etc. ist minimalistisch ausgebaut. Mit fast dem gleichen Aufwand
hätte man statt einem Mini-Steg gleich einen ordentlichen bauen
können. Die Pflege des Wasserweges könnte besser sein:
die Ufer sollten regelmäßig ausgeholzt werden und wenn
ein Baum ins Wasser fällt, sollte man, statt eine Boje zu setzten,
lieber gleich zur Motorsäge greifen. Die Qualität der
VNF-betreuten Wasserwege wird jedenfalls nicht erreicht.
Die Schleusen sind ein Thema für
sich. Wir sind nicht das erste Mal unterwegs und haben sicher schon
einige hundert Schleusen bewältigt, aber die hier auftretenden
Effekte waren für uns völlig neu. Es hängt sicherlich
mit der Enge der gesamten Anlagen zusammen, die besondere Strömungsverhältnisse
herrufen. Empfehlenswert wäre es sicher, ein schmaleres, wendigeres
Boot zu nehmen. Jedenfalls ist es kein Revier für Hausboot-Anfänger
!
Die Städte und Dörfer an
der Baïse sind reizend, für größere Einkäufe
bieten sich nur Nérac und Condom an. Als bestes Restaurant
wurde "La Cambuse" in Condom gewählt.
Die Basis in Le Mas d'Agenais ist freundlich
und entgegen kommend.
Das Boot war zwar moderner, als unsere
geplante Connoisseur "Flying Bridge", aber insgesamt haben
wir uns nicht so wohl gefühlt, wie dort. Besonders gefehlt
hat uns das von innen begehbare Vordeck, aber auch die Anordnung
von Salon und Küche haben uns nicht so gut gefallen, da sie
tiefer liegen und man nicht so gut hinaus schauen kann. Auch die
Toilettenpumpen mit Zweikreis-Umschalteventil (saugen/pumpen) waren
gewöhnungsbedürftig und ein "ewiger Quell der Freude"
! Sehr positiv: die Verhältnisse am unteren Führerstand
bei Schlechtwetter.
Das Wetter war, bis auf einen halben
Tag Regen, sehr angenehm - nicht zu heiß und nicht zu kalt.
Nach Abgabe unseres Hausbootes in der
Basis "Le Mas d'Agenais" stiegen wir in unser Auto und
machten uns auf den Weg zu unserer nächsten Hausbootwoche,
die von der Basis "Castelmoron" aus starten sollte. Auf
dem Weg dahin fuhren wir wieder durch die Stadt Tonneins, wo wir
im dortigen Supermarkt unseren Lebensmittelvorrat für die zweite
Woche einkauften.
Und so steht
es in unserem 2. Bordbuch:
Samstag,
25. September 2004
Gegen 11:00 Uhr kommen wir bei der Connoisseur-Basis in Castelmoron
an. Sie liegt etwas abseits des Ortes in einem Ferienzentrum namens
"Port Lalande". Der Empfang durch den Basisleiter ist
herzlich - unsere Faxgeräte kennen einander ja schon ! Herr
Graham spricht perfekt deutsch mit schweizerischem Akzent und wir
verstehen uns - nicht nur sprachlich - ausgezeichnet. Zum Thema
"Überquerung der Garonne" sagt mir Herr Graham, das
diese stundenweise wieder möglich sei - aber das Thema ist
für uns gegessen ! Der Betrieb an der Basis ist mäßig,
die Saison offensichtlich bereits in den letzten Zügen. Unser
Boot, die heißersehnte Flying Bridge 1140, ist bereits vorbereitet
und übergabebereit. Also laden wir erst einmal unser Gepäck
vom Auto in das Boot um und beginnen mit der Kontrolle des Inventars.
Oft schon hat uns eine Kleinigkeit gefehlt, und jetzt kennt jeder
in seinem Aufgabenbereich, worauf er schauen muss. Ein zweiter Lappen,
ein fehlender Sonnenschirm, ein größerer Tisch am Oberdeck,
alles wird kurzfristig von den Basismitarbeitern herbei gezaubert.
Die Instruktionsrunde aus dem Hafen hinaus auf den breiten Lot wird
zu einer Kleinigkeit und Herr Graham lobt unser eingespieltes Team.
Er gibt uns noch eine Warnung vor bösen Buben mit, die angeblich
gerne mit Steinen auf die Hausboote werfen, dann setzen wir ihn
draußen am Lot, gleich neben der Hafeneinfahrt, an einem breiten
Anleger ab.
Wir beschließen dort gleich einmal
zu bleiben und einen Mittagsimbiss zu nehmen. Dabei stellt Elisabeth
fest, dass ihr ein Schneidbrett fehlt. Auch Franz hat ein gebrochenes
Fahrradschloss entdeckt, so dass ich nach 14:00 Uhr (Ende der Mittagspause
in der Basis) nochmals reklamieren gehe und auch für Regina
ein zweites Bordbuch mitbringe. Dann richten wir uns ein bisschen
in den Kabinen ein. Beim Verschieben des Bettes kommt Regina gleich
einmal eine Möbelrolle entgegen, wodurch dieses nur mehr auf
3 Beinen steht und entsprechend wackelt. Um nicht schon wieder eine
langwierige Reklamation zu starten, versuchen wir uns mit eigenen
Werkzeugen, doch dann stecken wir einfach den Handhebel für
die Bilgepumpe drunter - der passt auf den Millimeter genau !
Nun sind endlich alle zufrieden und
wir legen um 15:00 Uhr ab. Unser erstes Ziel ist es, den Lot abwärts
bis zur Mündung in die Garonne zu fahren. Der Lot im Bereich
der Basis ist ein riesiger Stausee, da 500 Meter unterhalb von Port
Lalande die Wehranlage liegt. Sie ist ziemlich modern und stammt
angeblich aus dem Jahre 1999. Die signalgesteuerte Schleuse wird
von einem Wärter bedient. Das obere Schleusentor hat nur einen
Torflügel, der zur Seite schwenkt. In der Schleuse selbst befinden
sich an jeder Seite 3 Schwimmpoller. Man fühlt sich gegenüber
der Baïse wie im Siebenten Himmel. Der Schleusenwärter
ist sehr freundlich, notiert Anzahl der Bootsbesatzung und Nationalität
für die Statistik und übergibt die obligate Stechkarte
für die nachfolgenden Selbstbedienungsschleusen. Das Abschleusen
geht butterweich vor sich, immerhin sind es 10 Meter, bis wir auf
Höhe des Unterwassers sind. Das untere Tor, das erst aus dem
Wasser auftaucht, wird im Schneckentempo hydraulisch nach oben gezogen.
Ja - und dann sucht man ein Ausfahrtssignal, das es nicht gibt.
Aber der Schleusenwärter ruft schon, wenn man nicht los fährt.
Nichts ist eben perfekt
!
Vorbei geht's an Castelmoron, mit seinem auffälligen maurischen
Schloss (woher auch der Name kommt). Und während wir noch beim
Staunen und Fotografieren sind, fliegt schon der erste Stein. Er
trifft - aber zum Glück nur das Boot und ich sehe einen Lümmel,
der im Schlosspark hinter der Balustrade verschwindet. Na das kann
ja heiter werden !
Die Untiefen am Lot sind sehr ordentlich
mit Tonnen und Stangen gekennzeichnet und man muss bei der Navigation
immer einen Blick in die Karte tun, um zu erkennen, an welchem Ufer
die Fahrrinne verläuft. Franz übernimmt diese Aufgabe
mit gewohnter Präzision. Wir passieren die Ortschaft Granges-sur-Lot
und machen 2 Kilometer weiter am Schwimmponton des dortigen Pflaumenmuseums
Halt. Ein wunderbarer Liegeplatz, wo wir gleich über Nacht
bleiben wollen. Aber zuerst machen wir einen Besuch im Pflaumenmuseum,
das keine 100 Meter vom Ufer entfernt ist. Es handelt sich eigentlich
um ein Pflaumenerzeugungs- und Veredelungs-Unternehmen, das nebenher
eine mit viel Liebe gestaltete Ausstellung über die früheren
bäuerlichen Werkzeuge und Maschinen für die Pflaumenbearbeitung
eingerichtet hat. Es gibt schriftliche Unterlagen in deutscher Sprache,
anschließend eine Videovorführung über die Produktionsabläufe
und dann eine Verkostung. Und dann darf man auch alles einkaufen
- Plastikgeld wird akzeptiert.
Abendessen an Bord. Es treten Meutereierscheinungen
auf, weil die Getränke warm sind und die beiden Gas-betriebenen
Kühlschränke keine Kälte produzieren. Beim genauen
Hinsehen in der Dunkelheit der Nacht ist auch kein Kontrollflämmchen
zu sehen. Also werken Franz und ich eine halbe Stunde und schaffen
schließlich eine Inbetriebnahme der beiden Geräte.
Tagesleistung
Strecke: Castelmoron - Granges-sur-Lot
Fahrkilometer: 5
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 1 Stunde 08 Minuten
Sonntag,
26. September 2004
Heute ist es bewölkt bei 12° Morgentemperatur. Wir legen
um 09:15 Uhr ab und erreichen um etwa 10:00 Uhr die Stadt Clairac,
wo wir Franz auf die Suche nach frischen Baguettes schicken. Es
ist Sonntag, aber das ist in Frankreich kein Grund für den
Müßiggang der Bäckerzunft. Während dessen füllen
wir unseren Wassertank voll und legen 20 Minuten später schon
wieder ab. Als nächstes müssen wir die Schleuse von Clairac
passieren, aber die ist nicht von 1999, sondern ein älteres
Modell. Schon die Zufahrt ist ein Abenteuer, weil sie sich schmal
dahin windet und auch noch einen Slalom durch rote und grüne
Tonnen erfordert. Die Schleuse selbst ist an eine alte Mühle
angebaut, sodass man sich auf der Schleusenmauer nicht ungehindert
bewegen kann. Man kann hier nicht mit den eigenen Leinen arbeiten,
sondern muss die nehmen, die bereits von der Schleusenmauer herunter
hängen. Viel Freude hat meine Leinenmannschaft damit nicht,
es sind dicke Taue, mit denen man die Queen Mary hätte festmachen
können und die kaum durch unsere Klampen passen. Aber es geht
besser, als erwartet. Wir sind durch und fahren weiter nach Aiguillon,
das wir gegen 12:00 Uhr erreichen. Aiguillon liegt schon fast an
der Mündung des Lot in die Garonne, aber für die Schifffahrt
gibt es einen Verbindungskanal, genannt "Canalet". Um
diesen zu erreichen, müssen wir die Schleuse "Aiguillon"
passieren. Dann aber wird es wieder eng, die Bilder gleichen der
Baïse. Durch den engen Kanal fahren wir eine halbe Stunde,
dann erreichen wir die Sperrschleuse in den Garonne-Fluss. Eigentlich
sollte hier ein Ort namens Nicole sein, aber außer einem Mini-Anleger
und einem dahinter liegenden Bahndamm ist nichts zu sehen. Das Dorf
wird wohl dahinter liegen. Wir machen hier fest weil Elisabeth und
Franz einen Ausflug zum weithin sichtbaren Kreuz am "Pech du
Berre" machen wollen, von wo aus man einen herrlichen Rundblick
über Lot und Garonne haben soll. Während dessen möchte
ich mir anschauen, wie die Überquerung des Garonne-Flusses
wohl vor sich gegangen wäre. Aber ich bekomme sogar eine praktische
Demonstration geboten: zuerst kommt eine andere Flying Bridge, die
vor der Schleuse wartet, dann kommt ein Kleinbus, dem 2 Schleusenwärter
entsteigen und die Sperrschleuse bereit machen. Einer der beiden
übernimmt das Steuer des Hausbootes, dessen Besatzung muss
aussteigen. Der Schleusenwärter beherrscht zwar das Boot nicht,
schafft es aber doch im dritten Anlauf in die Schleuse einzufahren.
Die Schleusung wird vorgenommen, ein Schleusentor klemmt, man muss
per Hand eingreifen.
Während dessen kommt die Garonne
abwärts ein eiserner Schubkahn mit Außenbordmotor gefahren
- 2 Mann Besatzung mit Schwimmweste. Sowie das Hausboot in der Garonne
schwimmt, wendet es stromaufwärts und fährt mit eigener
Kraft zwischen den Markierungstonnen dahin. Die Schubboot-Leute
schwätzen noch mit ein paar Fischern, dann geben sie Gas, holen
das Hausboot ein und folgen ihm knapp oder schieben es von hinten
an. So genau kann ich das nicht mehr sehen. Ja, und die Hausbootbesatzung
wird in den Kleinbus verfrachtet und nach Saint-Léger gebracht,
wo sie ihr Boot wieder übernehmen können. Also so hätte
mir die Garonne-Querung auch keinen Spaß gemacht ! Um 14:00
Uhr sind Elisabeth und Franz von ihrem Ausflug wieder zurück.
Wir nehmen einen kleinen Imbiss, dann legen wir wieder ab um nach
Aiguillon zurück zu fahren. Wir passieren wieder die Schleuse
und machen oberhalb am offiziellen Anleger der Stadt für die
Nacht fest. Nach einem kleinen Stadtrundgang kehren wir wieder an
Bord zurück, um unser Boot auf den Namen "Brigittenau
2" zu taufen. Das Taufkind hat zwar schon seine ersten Krabbelversuche
hinter sich, aber den Sekt lassen wir uns nicht entgehen. Nach dem
Abendessen findet noch ein "Activity"-Spielchen statt,
bei dem wir uns köstlich unterhalten.
Tagesleistung
Strecke: Granges-sur-Lot - Nicole - Aiguillon
Fahrkilometer: 22
Schleusenkammern: 3
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 25 Minuten
Montag,
27. September 2004
In der Nacht hat es leicht geregnet. Jetzt hat es 15° Morgentemperatur,
und es herrscht dichter Nebel. Es ist seltsam ruhig geworden: die
Stromturbine läuft nicht mehr und über das Wehr fließt
wenig Wasser. Bei genauerem Hinsehen ist der Wasserstand zum Vortag
um etwa 20 cm gesunken. Glücklicherweise hatten unsere Leinen
genügend Spielraum. Das müssen wir jetzt immer genau beachten
! Als sich der Nebel langsam lichtet, brechen wir gegen 09:45 Uhr
auf und fahren stromaufwärts Richtung Clairac. Die hängenden
Seile in der dortigen Schleuse sind beim aufwärts Schleusen
noch unangenehmer, weil sie noch dazu glitschig und mit allerlei
Flussablagerungen überzogen sind. Der Nebel hat sich verzogen
und es ist warm und sonnig geworden. Wir legen um 11:15 Uhr am wunderschönen
Kai von Clairac an und starten sofort eine Einkaufstour, weil am
Montagnachmittag die meisten Geschäfte schließen. Auf
der Suche nach einem Supermarkt werden wir über die Brücke
in den Nachbarort Longeville verwiesen, wo wir alles finden, was
unser Herz begehrt. Nach einem Mittagsimbiss starten wir um 13:30
zu einem Stadtgang, wobei wir natürlich besonders die drei
bekannten Museen von Clairac, das Automatenkloster, das Eisenbahnmuseum
und den Zauberwald besuchen wollen. Die nette Dame im Touristenbüro
übergibt mir einen Stadtplan und erklärt, wo die Museen
zu finden sind. Beim Automatenkloster angekommen, prangt an der
geschlossenen Tür ein Zettel mit dem Hinweis, dass - beginnend
mit heutigem Tag - das Museum an allen Montagen geschlossen sei.
Und bei allen anderen Museen gilt der Hinweis: Billets nur im Automatenkloster.
Also außer Spesen nichts gewesen ? Nein ! Wir beschließen
morgen früh die Museen zu besichtigen und dann erst weiter
zu fahren. In diesem kleinen Ort stolpert man immer wieder über
die Touristeninformation und ich kann nicht umhin, meinem Unmut
Luft zu machen. Sie bedauert heftig und erklärt mir, dass Dienstag
um 10:00 die Museen geöffnet werden. Nun schauen wir uns noch
nach einem Restaurant für den Abend um und entdecken gleich
neben dem Parkplatz für das Automatenkloster ein seltsames
Restaurant, das eigentlich aussieht, als ob eine Autogarage umgebaut
worden wäre. Neugierig schaue ich hinein - es sieht innen ganz
urig aus und die Speisekarte ist auch ganz nett: eine Mischung aus
Crèperie und Restaurant. Während wir noch interessiert
herum schauen, kommt schon der Chef heraus und fragt, ob er helfen
kann. Da das Lokal ohnehin ganztägig geöffnet ist und
Franzi als bekannter Früh-Esser in Frankreich sonst sowieso
kein Leiberl hat, bestellen wir einen Tisch für 19:00 Uhr.
Den Nachmittag über halten wir Siesta, dann erscheinen wir
pünktlich im Restaurant "Aux Pays des Merveilles",
Le Bourg, wo wir in einem originellen Ambiente und angenehmer Atmosphäre
ganz vorzüglich speisen.
Tagesleistung
Strecke: Aiguillon - Clairac
Fahrkilometer: 7
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 1 Stunde 30 Minuten
Dienstag,
28. September 2004
Der heutige Morgen bringt uns bei 11° wieder einmal Nebel und
zwar so dicht, dass man oft nicht einmal die Brücke sieht,
vor der wir liegen. Da wir heute Vormittag ohnehin Museumsbesuch
angesagt haben, können wir in Ruhe zuwarten, dass sich der
Nebel lichtet. Wasser haben wir schon am Vorabend gebunkert und
so sehen wir zu, dass wir um 10:00 vor dem Museumstor stehen. Das
tun wir auch, aber selbst nach Zugabe von ein paar Minuten öffnet
sich das Eingangstor nicht. Und der dämliche Zettel hängt
immer noch dort: "
Montag und Dienstag geschlossen !"
Verflixt, in meinem Ärger, dass gestern (Montag) geschlossen
war, habe ich gar nicht mehr weiter gelesen, dass auch heute (Dienstag)
geschlossen ist. Eine Blamage ! Aber ich kenne da jemanden, an dem
man sich abreagieren kann: wir besuchen die Touristeninformation,
wo uns die freundliche Dame versichert, dass heute selbstverständlich
geöffnet ist - nur Montag, da sei geschlossen. Als ich ihr
auf meiner Digitalkamera den fotografierten Zettel zeige, ist sie
sehr zerknirscht. Aber das hilft uns auch nicht weiter, wir kehren
zum Boot zurück und legen gegen 10:40 Uhr ab, da sich der Nebel
langsam aufzulösen beginnt. Wir fahren durch hartnäckige
Nebelschwaden zurück nach Castelmoron, passieren wieder die
10 Meter-Schleuse. Gegen 13:00 Uhr legen wir vor der Basis in Lalande
an und nehmen unseren Mittagsimbiss an Deck, da endlich die Sonne
herausgekommen ist. Kurz vor 14:00 Uhr geht's wieder weiter und
wir fahren den Lot aufwärts, der hier sehr breit ist und kaum
ein Gefälle aufweist. Immer wieder fahren wir durch Wassersportzonen,
an den Ufern jede Menge Bootshäuser mit Kanus, Segelbooten
und sonstige Wassersportgeräten. Aber alles menschenleer, die
Saison ist schon vorbei, nur mitunter treffen wir Schulklassen,
die offensichtlich ihren Turnunterricht auf dem Wasser zubringen.
Um 14:30 Uhr machen wir eine Stipp-Visite im Dorf Fongrave, in dessen
Kirche ein wunderschöner Holzaltar zu bewundern ist. Um 16:15
Uhr landen wir in Casseneuil, wo wir die Nacht verbringen wollen.
Der Ort entstand auf einer Halbinsel zwischen dem Lot und dem kleinen
Nebenfluss "Lède". Elisabeth, die für das
Kulturprogramm zuständig ist, führt uns bei jedem Stadtgang
entlang eines Besichtigungsweges durch die jeweiligen Ortschaften.
Die Informationen stammen aus einem Handbuch, das uns vom Bootsvermieter
zur Verfügung gestellt wurde. Hier in Casseneuil verläuft
dieser Weg zwischen dem Lède-Ufer und dem Zaun des Schulsportplatzes
als Trampelpfad durch Brennnessel und im Kriechgang unter einer
Brücke hindurch. Schwere Zeiten für Regina, die sich für
den Stadtgang schick angezogen hat - aber wir sehen hautnah, warum
diese Stadt manchmal mit Venedig verglichen wird. Am Rückweg
stolpern wir über einen Fleischhauer, der über eine nette
Auswahl verfügt und wir beschließen einen außerordentlichen
Einkauf. Die Konversation mit dem Fleischer ist schwierig, denn
wer weiß schon, wie ein "ausgelöster Schopfbraten"
auf Französisch heißt. Aber er gibt sich bereitwillig,
und als wir auch noch Pastete und andere Leckereien kaufen, legt
er als Draufgabe noch 20 cm Blutwurst dazu. Also Freunde: sollte
wer von Euch dort einmal einkaufen, immer auf eine Draufgabe bestehen
! Ihr könnt Euch auf uns berufen
Essen an Bord. Abends wird eine Partie UNO gespielt.
Tagesleistung
Strecke: Clairac - Casseneuil
Fahrkilometer: 29
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 4 Stunden 40 Minuten
Mittwoch,
29. September 2004
Auch heute wieder dichter Morgennebel bei 12 °. Da wir ohnehin
zuwarten müssen, erhält Elisabeth einen Sonderurlaub zum
Besuch des Marktes in Casseneuil, der heute stattfindet. Wir füllen
unseren Wasservorrat auf und schauen einer Schulklasse zu, die vor
unserer Nase in Kajaks verfrachtet wird und unter aufgeregtem Geschnatter
die Lède aufwärts paddelt. Der Lehrer folgt im Schlauchboot
mit Außenborder. Wir legen um 10:15 Uhr ab und fahren weiter
den Lot aufwärts. Die Passage durch die alte Schleuse bei Flusskilometer
48 schaut beim Näherkommen etwas seltsam aus, da mitten in
der markierten Fahrrinne einige Felsen zu sehen sind, auf denen
Reiher und Möwen herumturnen. Erst viel später erkennt
man, dass die Fahrrinne fast quer zum Ufer verläuft und man
einem perspektivischen Irrtum aufgesessen ist. Um 11:40 Uhr passieren
wir die Stadt Villeneuve-sur-Lot, deren Besichtigung wir aber erst
bei der Rückfahrt vorgesehen haben. Gleich nach der Stadtdurchfahrt
geht es nur mit Vorsicht weiter: eine alte Schleuse, Untiefen, sowie
ins Wasser gestürzte Bäume lassen nur langsame Fahrt voraus
zu. Und dann steht man plötzlich vor dem Wehr von Villeneuve
und sucht die Schleuseneinfahrt. Ein Richtungspfeil lädt uns
ein, auf das linke Wehrtor zuzufahren, aber das wird doch hoffentlich
nicht die Schleuse sein ! Beim Näherkommen löst sich das
Rätsel: knapp vor Erreichen der Wehr zweigt links die in Beton
gefasste Zufahrt zur Schleuse ab - aber leicht zu erkennen ist das
nicht. Die Schleuse "Villeneuve" ist, wie die von Castelmoron,
modern und komfortabel zu passieren. Sie hat sogar eine Hubhöhe
von 13 Metern. Bemerkenswert ist, dass wir über Anweisung des
Schleusenwärters das Boot an den Schwimmpollern festmachen
müssen, nicht nur auf Slip halten. Na, er wird schon wissen,
was er tut. Oberhalb der Schleuse ist der Lot wieder unendlich breit
und an den Ufergrundstücken reiht sich eine Traum-Villa an
die andere. Die Sonne ist heraus gekommen und es ist sehr warm geworden.
Gegen 13:15 Uhr machen wir in Saint-Sylvestre-sur-Lot fest. Elisabeth,
Franz und ich wollen das Städtchen Penne d'Agenais besuchen,
das auf einem Hügel über dem Lot liegt. Zuerst geht's
über die Brücke nach Port de Penne, dann eine halbe Stunde
schwitzend bergauf. Aber es zahlt sich aus: die mittelalterliche
Stadt, die sich an den Berghang schmiegt, ist vollständig erhalten
bzw. wunderbar restauriert. Ganz oben am Berg liegt die Wallfahrtskirche
"Notre Dame de Peyragude", von der man einen faszinierenden
Rundblick über das Lot-Tal hat. Zurück im Tal machen wir
mit Regina noch einen kleinen Bummel durch Saint-Sylvestre, aber
außer einem Supermarkt gleich am Hafen und einem Schlosshotel
mit 4 Sternen gibt's es nicht viel zu sehen. Abends kocht uns Elisabeth
ihre wunderbaren Grillkotletts auf dem nagelneuen Herd der Flying
Bridge. Einer unsere beiden Kühlschränke gibt des Geist
auf und lässt sich trotz aller Bemühungen nicht wieder
starten. Wir beschließen aber keine Schadenmeldung zu machen,
da wir ohnehin schon beim Leeren unserer Vorräte sind und mit
einem Kühlschrank das Auslangen finden. Anschließend
wieder eine Partie UNO.
Tagesleistung
Strecke: Casseneuil - St.-Sylvestre-sur-Lot
Fahrkilometer: 20
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 04 Minuten
Donnerstag,
30. September 2004
Heute Morgen ist es heiter bei 10° Außentemperatur. Die
wenigen Nebelschwaden lösen sich bald auf und wir können
schon um 09:00 ablegen. Oberhalb von Saint-Sylvestre wird die Flusslandschaft
wieder natürlicher, Felsen säumen das Ufer. Gegen 10:15
Uhr erreichen wir Lustrac, wo der befahrbare Teil des unteren Lots
endet. Wir machen an dem kleinen Anleger fest und ziehen eine Runde
durch das kleine Dörfchen. Es besteht eigentlich nur aus einem
Wehr, einer ehemaligen Schleuse, neben der sich eine alte Mühle
befindet und einem Schloss mit ein paar Nebengebäuden. Aber
es ist sehr reizvoll und landschaftlich wunderbar eingebettet. Wir
nehmen am Vordeck, wo wir das alles überblicken können,
einen kleinen Imbiss. Dann starten wir um 12:00 wieder, diesmal
den Lot abwärts. Nach Passieren der Schleuse fahren wir gegen
14:40 in die Stadt Villeneuve-sur-Lot ein. Der Uferbereich ist von
hohen Kaimauern geprägt und wir versuchen einen Platz zu finden,
wo wir möglichst schwer von steinwerfenden Fratzen erreicht
werden können, aber so einfach ist das hier nicht. Schließlich
liegen wir direkt neben der Open-Air-Bühne der Stadt, über
uns erstrecken sich die zugehörigen Sitzreihen des Amphitheaters.
Unter Elisabeths sachkundiger Führung machen wir einen Rundgang
durch die Stadt. Sie ist ziemlich groß, hat eine schöne
Fußgängerzone mit wunderbaren Geschäften. Die Kirche
Sainte-Cathérine ist kaum 100 Jahre alt, aber durch ihren
eigenwilligen, alles überragenden Turm eine dominante Erscheinung.
Auf der anderen Seite des tief eingeschnittenen Lot, die man über
eine alte, sehenswerte Brücke erreicht, finden wir mitten in
der Stadt ein staatliches Pferdegestüt ("Les Haras Nationaux"),
das vollkommen frei zugänglich ist. Der versprochene Markt
findet nicht statt, so nehmen wir in einer Bar am Marktplatz eine
kleine Erfrischung zu uns, dann suchen wir nach einem Restaurant
für den Abend. Die meisten sind uns eine Spur zu elegant und
so entscheiden wir uns für die Pizzeria "L'Intermezzo",
Rue Parmentier 18. Bei unserer Ankunft um 19:20 ist der Koch zwar
noch selbst beim Essen, aber eine Stunde später ist das Lokal
bis auf den letzten Platz besetzt.
Regina macht die Mücke, der Rest der Mannschaft besteht auf
einer Abschiedspartie UNO.
Tagesleistung
Strecke: St.-Sylvestre-sur-Lot - Lustrac - Villeneuve-sur-Lot
Fahrkilometer: 27
Schleusenkammern: 1
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 54 Minuten
Freitag,
1. Oktober 2004
Als wir am Morgen die Vorhänge öffnen, sehen wir uns von
Fischern umzingelt, die die Open-Air-Bühne, die in den Fluss
hineinragt, als Fischersteg missbrauchen. Es ist bewölkt bei
18°. Regina begleitet Franz bei seinem Bäckereibesuch,
aber das hätte sie lieber bleiben lassen sollen, da sie keine
Übung in dieser Kunst hat und daher alles durcheinander bringt.
Nach einer Vorwarnung an die Fischer werden die Köderfische
und -würmer in Ausgangsposition gebracht, dann können
wir um 09:05 ablegen. In Campagnac machen wir eine Stippvisite,
aber die Kirche ist leider geschlossen und die die angepriesene
Gourmand-Farm zu weit entfernt. Knapp vor Casseneuil sieht Franz
im Vorbeifahren eine Schildkröte, die auf einem im Wasser liegenden
Baumstamm in der Sonne sitzt. Da alle nach einem Foto-Shooting verlangen,
mache ich eine Ehrenrunde, und wir pirschen uns nochmals an. Es
ist eine etwa 20 bis 25 cm lange Wasserschildkröte, die ganz
ruhig sitzen bleibt und uns mit erhobenem Kopf ansieht.
Da Elisabeth immer noch von der versäumten Gourmand-Farm träumt,
machen wir um 11:30 am wunderschönen Anleger von "Hauterive"
fest, wo es ebenfalls eine solche Farm geben soll. Die Mannschaft
rückt ab, ich nehme ein Buch zur Hand und setze mich in die
Sonne an Deck. Am Nebensteg fischen schweigend 2 Opas - eine Idylle
!
Die Mannschaft kehrt unverrichteter
Dinge wieder zurück. Der Ort ist ausgestorben, wie ein Westerndorf.
Wir nehmen einen Mittagsimbiss, gegen 13:00 Uhr legen wir ab. Unser
nächstes Ziel ist "Le-Temple-sur-Lot". Kurz vor Erreichen
des Ortes fallen plötzlich alle Anzeigen aus und die Ladekontrolllampe
leuchtet auf. Ich rette mich noch an den Anleger und stelle den
Motor ab, was auch nur mehr vom unteren Führerstand aus geht.
Nach einem neuerlichen Startversuch ist wieder alles in Ordnung.
Wir gehen vom Anleger durch ein riesiges Sportzentrum in den Ort,
wo die ehemalige "Commanderie" des Tempelritter-Ordens
steht. Ein sehr schöner Burg-artiger Bau, in dem jetzt ein
Restaurant eingezogen ist. Als weiter Attraktion dieses Ortes wird
eine Seerosenzucht angepriesen, die man durch eine schöne Parkanlage
erreichen kann. Aber seit 1. Oktober (heute) ist die Seerosenausstellung
gesperrt - Saisonschluss !
Schon etwas frustriert treten wir
die letzte Etappe an. Wir tanken nochmals Wasser für den Abschiedsplantsch
und landen um 16:20 wieder im Hafen Lalande. Auch dort ist alles
ausgestorben. Nach einigem Suchen finde ich dann einen Mitarbeiter,
der mir den Parkplatz öffnet. Wir haben nämlich vor, uns
noch die Stadt Castelmoron anzuschauen und wollen uns den Fußweg
in die Stadt sparen. Nach einem Stadtrundgang, bei dem uns besonders
das Schloss im maurischen Baustil beeindruckt, kehren wir an Bord
zurück, wo Reste essen und "Koffer" packen angesagt
ist.
Tagesleistung
Strecke: Villeneuve-sur-Lot - Castelmoron
Fahrkilometer: 26
Schleusenkammern: 0
Reine Fahrzeit: 3 Stunden 29 Minuten
Hier enden die Eintragungen unseres Bordbuches ....
Die Rückgabe am nächsten Morgen geht problemlos vor sich.
Die aufgetretenen technischen Probleme habe ich Herrn Graham besprochen.
Zeit
für ein Kurzresümee der 2. Woche:
Fahrstrecke: 136 km mit 8 Schleusenkammern,
reine Fahrzeit 20 Stunden
Der Lot ist als Kontrastprogramm zur
Baïse natürlich nicht so naturnahe und reizvoll. Besonders
die Stauhaltungen der neuen, hohen Wehranlagen führen zur breiten
Stauseen, die für den Hausbootfan nicht wirklich interessant
sind. Es ist alles auf die Wassersportler ausgerichtet, Hausboote
sind noch nicht richtig akzeptiert (siehe Steinwerfer). Unterhalb
der großen Wehre und bei Lustrac ist der Lot noch in seiner
natürlichen Erscheinung zu sehen.
Die Infrastruktur, wie Anlegestellen
etc. ist ziemlich neu, abgesehen von den größeren Städten
aber höchstens auf 2 Boot ausgerichtet. Die Pflege des Wasserweges
ist sehr gut, ebenso die Beschilderung und Kennzeichnung der Fahrrinne.
Die wenigen Schleusen sind an einer
Hand aufzuzählen, die neuen, großen bieten viel Komfort,
jene unterhalb von Castelmoron sind Standard. Das Sprichwort "Schleusen
sind das Salz in der Suppe der Hausbootfahrer" hat ganz Recht
und wenn wir in der 1. Woche unseres Hausbooturlaubs nicht eine
Überdosis davon bekommen hätten, wären hier Entzugserscheinungen
aufgetreten.
Die Städte und Dörfer am
Lot sind sehr nett, als besonders negativ haben wir aber empfunden,
dass ab Ende September viele Attraktionen bereits gesperrt sind
oder stark eingeschränkten Betrieb haben. Als bestes Restaurant
wurde "Aux Pays des Merveilles" in Clairac gewählt.
Die Basis in Castelmoron, besonders
der Basisleiter, Herr Graham, ist besonders freundlich und gesprächsbereit.
Die Hausbootsaison war offensichtlich auch schon zu Ende, uns sind
in der ganzen Woche gezählte 5 Hausboote begegnet.
Das Boot, unsere geliebte "Flying
Bridge", hat uns - wie immer - ausgezeichnet gefallen. Was
uns ein wenig traurig stimmt, ist die Tatsache, dass sie halt schon
ein wenig "in die Jahre" gekommen ist und immer wieder
kleinere technische Mängel auftreten. Positiv vermerkt wurde,
dass das Boot mit einem nagelneuen Herd ausgestattet war. Bei den
Kühlschränken sollte man sich auch etwas einfallen lassen,
die pfeifen schon aus dem letzten Loch !
Das Wetter war wunderbar, die wenigen
Nebeltage ein Herbstphänomen, mit dem man leben muss.
Gesamtleistung
Urlaubsdauer an Bord 14 Tage
Bootskilometer
290
Schleusenkammern 56
Wolfgang Bauer, Wien

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